EMAIL
 
Biografie
 
Skulpturen

Objekte

Kirche

Möbel

 





Text anläßlich einer Ausstellung in der Galerie Heizmann, Düsseldorf

Gregor Merten pendelt mit seiner Kunst zwischen Figuration und Abstraktion, zwischen Kalkül und Zufall, formalästhetischem Experiment und Exerzitium. Seine Arbeiten lassen nur bedingt Vereindeutigungen zu. So erprobt er in seinen Assemblagen auf Chromakarton einen gleichsam mikroskopischen Blick: Walzbleielemente werden in einen zeichnerisch und mit Ölfarbe umrissenen biomorphen Kontext hineincollagiert, oder kompositionell vom umfangenden Gewebe geschieden.   Walzbleiassemblage

Ausgebrannt   Dieses bei aller Zweidimensionalität skulptural anmutende Gefüge hat Vorstudiencharakter zu allen Stahlskulpturen, wenngleich die Collage die endgültige Plastik nicht zwingend vorgibt. Sie mag als Probefeld, Spielwiese gelten: hier hat der Zufall seinen Platz, bringen Schnelligkeit und Material die Möglichkeiten der Formen auf Widerruf zum Sprechen, sondert die Gesamtkomposition ein einzelnes Element auf Vorbehalt ab, das sich später dann in der schwerfälligeren Bildhauerei bewähren kann.

Der verlangsamten bildhauerischen Formfindung geht zumeist dieses zeichnerische Spiel voran, das indes nicht als miniaturartige Skizze der Skulptur mißverstanden werden sollte; was in der Skulptur zur starren Form gerinnt, bleibt auf dem Karton im Fluß. Bewegung selbst wird als zentrales Motiv der Arbeit Gregor Mertens kenntlich. Mitunter scheinen die figurativen Skulpturen in einer Bewegung arretiert zu sein. Wuchtige, aus massivem Stahlblech geschnittene Körper - die gleichzeitig durch ihren zeichenhaften Charakter der Abstraktion zustreben - verharren in einem Augenblick. Tänzerisches gefriert zur Pose, das Flüchtige gewinnt Dauer, das Unentschiedene bezieht Stellung - ein weiteres zentrales Motiv Mertens: seine Kunst nimmt ihre Gegenstände in die Pflicht, überläßt sie keineswegs dem blanken formalistischen Selbstzweck. Vielmehr spürt der Künstler archetypischen Formen nach, will mit seinen Formerprobungen eine Sprache bergen, die allen Menschen bekannt, aber durch naturferne Lebenszusammenhänge und Wahrnehmungsgewohnheiten zum Verstummen gebracht worden sei.   Mitriss

Entwurf   Merten stellt in seinen Arbeiten unvermutete Zusammenhänge her und weist auf das Übersehene hin. Der mikroskopische Blick in den zeichnerischen Assemblagen eröffnet den Weg zur monumentalen Vergrößerung, die das Spezifische der Form kenntlich macht. Die Größe indes gehorcht ihren eigenen Gesetzen und schafft Raum für erweiterte Perspektiven: so gibt sie den Blick frei auf Durchbrüche, Einschübe, Frontal- und Profilansichten und bietet den unterschiedlichsten Kleinformen Platz. Als Hohlkörper unterlaufen die Großplastiken die gravitätische Schwergewichtigkeit der kleineren Skulpturen und werden zum Schauplatz mehrfacher Formzuordnungen.

Durchdringung - ein im Gespräch immer wieder auftauchender Begriff - ist Mertens eigentliches Thema. Die Formen penetrieren einander - sowohl konkret als auch im übertragenen Sinne -, nichts steht für sich allein, ein Bogen von naturhaften Urformen bis hin zu technisch erstarrten Materialien wird geschlagen, Kantiges trifft auf Rundes, Organisches auf Anorganisches (wobei die Verwitterung des Stahls als Symbol der Versöhnung zwischen Technischem und der Natur gedeutet werden mag): ein kalkulierter scheinbarer Mißklang, der den Blick auf verschüttete Zusammenhänge lenkt.   Urwärts

Zeichen  

Merten wendet sich wider die formalistische Gleichgültigkeit, die Anonymität des unvermittelten L'art pour l'art. Seine Arbeiten sind besonnene Appelle an die Sensibilität des Betrachters, ein körperlicher Aufruf zur genaueren Wahrnehmung der Natur und zur Reflexion jener Stellung, die der Mensch abseits von ihr bezogen hat.

Wolfgang Werth

 

 

 

 
   
   
  Email    Biografie    Objekte    Möbel    Kirche    Skulpturen